GEFFKEN-MIYAMOTO


Künstler?! Teuerste Werke (III)

by Oliver Geffken. Average Reading Time: about 13 minutes.

Im ersten und zweiten Teil der Serie wurden die mit künstlerischer Schöpfung verknüpften Eigenschaften vorgestellt als auch die vom Kunstmagazin Monopol 2007 bestimmten zehn wichtigsten zeitgenössischen Künstler etwas näher unter die Lupe genommen. Im dritten Serienteil geht es nun zurück in die Vergangenheit.

rubens massaker teuerste kunstwerke Künstler?! Teuerste Werke (III)

artlectric-kuenstler-promotion-gewinnspiel

Passend zum Dilemma des Kunstmarkts: Peter Paul Rubens, “Das Massaker der Unschuldigen”, entstanden um 1610. Das Gemälde zeigt die biblische Szene, in der nackte Kinder von Soldaten Herodes ihren Müttern entrissen und getötet werden.

Da der gegenwärtige Kunstmarkt eigentlich Marktkunst heißen müsste und sich ständig selbst überbietende Rekordpreise im Zentrum der medialen Kunstberichterstattung stehen, werden diejenigen Künstler ein wenig näher betrachtet, deren Werke auf Auktionen die höchsten Gewinne eingefahren haben.

Alle zehn Werke, bzw. Bilder wurden bei Sotheby’s (mit Sitz in New York) oder Christie’s (mit Hauptquartier in London) versteigert. Wir begegnen dem Spanier Pablo Picasso, dem Schweizer Alberto Giacometti, dem Österreicher Gustav Klimt, dem Iren Francis Bacon, dem Niederländer Vincent van Gogh, den Franzosen Claude Monet und Edgar Degas sowie dem Flamen Peter Paul Rubens und ihren Werken. (Stand: Mai 2010)

  • Was sind das für Werke, welche Geschichten verbergen sich dahinter?
  • Und: Wird Kunst immer mehr zum Statussymbol?

Paris ist nicht nur die Stadt der Liebe

Im zweiten Teil der Serie hat sich gezeigt, dass die wichtigsten zeitgenössischen Künstler aus dem Okzident, aus den USA oder Europa stammen. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für die Künstler der teuersten Werke der Welt, mit einem wesentlichen Unterschied: Diese zehn Kunstwerke stammen alle aus der Alten Welt, vor allem aus Südwesteuropa. Paris ist das Zentrum schlechthin und führt als Entstehungs- und Ausstellungsort die Liste der Städte, die in der geographischen Biographie der Bilder eine Rolle spielen, unumstritten an. Und so kann es auch keine Überraschung sein, dass der berühmteste Künstler aller Zeiten, Pablo Picasso (1881-1973), der einflussreichste künstlerische Schöpfer der Neuzeit, der nahezu alle Genre umfassende spanische Maler, Grafiker, Bildhauer und mit unmenschlicher Energie und Leidenschaft ausgestattete Lebemann mit gleich drei Werken in den TOP10 vertreten ist. Den Anfang macht an dieser Stelle allerdings Edgar Degas auf Platz zehn.

Die teuerste Pastellzeichnung: Degas’ „Danseuse au respos“ (10)

Die Tänzerin in Ruhestellung (1879) ist das einzige Bild in diesem erlauchten Kreis, das kein Gemälde ist. Die Pastellzeichnung von Edgar Degas (1834-1917) stellt sich während der Herbstauktionen 2008, inmitten von Horrornachrichten aus Wirtschafts- und Finanzwelt als große Überraschung heraus: 3,7 Mio. US-Dollar ist sie seinem neuen Besitzer wert.

edgar degas danseuse au repos Künstler?! Teuerste Werke (III)

Edgar Degas, „Danseuse au respos“ um 1879, Pastel und Gouache auf Papier, 59 x 64 cm

Interessant ist auch, dass es das einzige Werk ist, dass über 100 Jahre im Besitz einer einzigen Familie war: Es gehörte Degas’ Freund Jules-Emile Boivin und dessen Nachfahren, der es um 1885 für 1.200 Franc kaufte, um seinem Freund aus einer finanziellen Schieflage zu befreien. Sotheby’s begründet den hohen Preis damit, dass kein anderer Künstler seiner Zeit in der Lage gewesen ist, die besondere Atmosphäre der Theaterwelt so überzeugend und ergreifend darzustellen, wie Degas dies konnte.

Der teuerste Irrtum:
Peter Paul Rubens’ „Massaker der Unschuldigen“ (9)

Dieses Bild des in Deutschland geborenen Flamen Rubens (1577-1640), das um etwa 1610 entstanden und in einem bemerkenswerten Zustand ist, gehört zum Frühwerk des Barockmalers und Diplomaten. Vermutlich ist das der Grund, warum es jahrelang dem Rubens-Schüler Jan van den Hoecke zugeschrieben wurde und vor seiner Entdeckung 2001 lediglich einen Schätzwert von etwa 37.000 Euro hatte. Obwohl von den Besitzern mehrfach der Versuch unternommen wurde, das Bild zu verkaufen und es auch ausgeliehen wurde, wurde lange niemandem der Wert des Bildes bewusst.

Sotheby’s rechnete bei der Versteigerung im Juli 2002 mit einem Erlös von bis zu 10 Mio. Dollar. Eine solche Entdeckung, wie sie den Kunstexperten wohl nur alle 20 Jahre gelingt, hat seinen Preis – verkauft wurde es für mehr als das Siebenfache (76,7 Mio. USD).

80 Jahre unter Verschluss:
Claude Monets „Le Bassin aux Nymphéas“ (8)

Dieses Ölgemälde (1840-1926) mit einer Größe von etwa einem auf zwei Meter, das 1919 entstand, wurde zuletzt 1927 im Arts Club (Philadelphia) öffentlich gezeigt. An diesem Bild lässt sich ein enormer Preisanstieg verfolgen. 1971 wurde das Bild für 320.000 Dollar bei Sotheby’s versteigert, im Juni 2008 ging es für 80,5 Mio. US-Dollar an den Meistbietenden. Der Preis wird damit erklärt, dass dieses Bild, Teil einer Viererserie, das einzige ist, das noch öffentlich verfügbar ist.

Eines hängt im MoMA, eines wurde 1992 bei Christie’s versteigert und das vierte wurde in zwei Teile zerschnitten. Es ist zudem ein sehr persönliches Bild des Franzosen, der es nach vielen Jahren nur als Idee in seinem Kopf in seiner Spätphase malte. Als Vorlage dienten seine selbst angelegten Seerosenteiche.

Das unruhige Leben des Dr. Gachet (7)

Van Goghs (1853-1890) Gemälde „Porträts des Dr. Gachet” (1890, 68 x 57 cm) wurde 1990 für 85,2 Mio. US-Dollar von einem Japaner ersteigert. Anhand der Geschichte dieses Bildes lässt sich nachzeichnen, welche wechselvolle Biographie Bilder haben und wie sehr sie instrumentalisiert werden können.

Van Gogh wurde erst posthum berühmt und zwar durch eine geschickte Marketingstrategie des Kunstkritikers Julius Meier-Graefe, der den Niederländer zum „Christus der Moderne“ proklamierte. Vor allem die Geschichte des abgeschnittenen Ohres wurde missbraucht, um einen Künstlertypus zu kreieren, der zwischen Genie und Wahnsinn changiert. Die amerikanische Kunstgeschichtlerin und Journalistin Cynthia Saltzman hat in ihrem Buch „Das Bildnis des Dr. Gachet. Biographie eines Meisterwerkes“ die Geschichte des Bildes nachgezeichnet.

Nachdem der Künstler im Entstehungsjahr des Bildes gestorben war, wechselte das Bild in den Besitz von Theo van Gogh, dem Bruder des Malers. Dessen Witwe verkaufte es für 300 Francs an eine Sammlerin aus Dänemark. Der deutsche Kunsthistoriker Georg Swarzenski, der sich stark für die Museenlandschaft in Frankfurt am Main einsetzte, erwarb das Bild 1912 für das Frankfurter Städelmuseum. 1937 wurde das Bild als „entartete Kunst“ beschlagnahmt und von Hermann Göring (zusammen mit zwei anderen Bildern) für eine halbe Million Reichsmark an einen niederländischen Bankier veräußert. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zog das Bild in die USA, gelangte dann vor etwa 20 Jahren nach Japan und wurde seitdem nie wieder gesehen. Weder der Zustand noch der Aufenthaltsort des Bildes sind zurzeit bekannt. emgesamt hatte das Bild 13 Besitzer.

Das teuerste Bild der Nachkriegszeit:
Francis Bacons „Triptych, 1976“ (6)

Dieses Bild ist mit einem Verkaufswert von 86,3 Mio. USD das teuerste Bild der Nachkriegszeit und wurde im Mai 2008 anonym versteigert. Es handelt sich bei diesem knapp zwei auf anderthalb Meter großem Triptychon um ein für den Künstler sehr typisches Bild, der sich in erster Linie für die Darstellung des menschlichen Körpers interessiert hat und dieses Werk mit einer Vielzahl bedeutungsgeladener Symbole angefüllt hat.

francis bacon triptych 1976 Künstler?! Teuerste Werke (III)

Francis Bacons „Triptych, 1976“, 1976, Öl auf Leinwand, drei Tafeln á 198.1 x 147.3 cm; falls nicht anders gekennzeichnet © The Estate of Francis Bacon 2006; Foto: Cate Gillon / Getty Images.

Dieser Hang zur Deformation versinnbildlicht Bacons Auseinandersetzung mit dem Thema Zerstörung und Verfall und ist vermutlich die Konsequenz der Dialektik zwischen einem exzessiven Lebensstil und der stark ausgeprägten Intellektualität des 1909 in Dublin geborenen und 1992 in Madrid verstorbenen Künstlers, der von sich selbst sagte: „Es gab so viel Krieg in meinem Leben“. Dieses Bild gehörte bis zur Versteigerung der Marlborough Gallery, London, von wo aus es unter anderem nach Paris, Kassel, Madrid, Moskau und New Haven (Yale University) ausgeliehen wurde.

Die Kopie des einst teuersten Bildes der Welt:
Klimt’s Bildnis der „Adele Bloch-Bauer II“ (5)

Adele Bloch-Bauer war die Frau des schwerreichen Industriellen und Mäzen Ferdinand Bloch-Bauer und wurde von Gustav Klimt (1862-1918) zweimal gemalt. Diese zweite Version (1912) ist ein klassisches Jugendstilgemälde, das die Porträtierte in edler Kleidung vor einem farbenfrohen Hintergrund zeigt. Im November 2006 wurde es für 87,9 Mio. USD versteigert. Die erste Version, auch als die „Goldene Adele“ bekannt, ging 2006 für 135 Mio. USD an einen Sprössling der Mode-Dynastie und Präsidenten des Museum of Modern Art, Ronald Lauder. Es avancierte kurzzeitig zum teuersten Bild der Welt, wurde dann aber wenige Monate später von Jackson Pollocks No. 5 (140 Mio. USD) abgehängt.

Picassos Bilder eines „Garcon á la pipe“ und seiner Geliebten
Dora Maar (3 & 4)

Auf Platz drei und vier befinden sich Picassos „Junge mit Pfeife“ (1905) für 104 Mio. US-Dollar (Mai 2007) sowie „Dora Maar mit Katze“ (1941) für 95,2 Mio. US-Dollar (Mai 2006). Picassos Garcon gehört thematisch in den Übergang von der Blauen zur Rosa Periode. Es ist sicherlich eines der schönsten Bilder Picassos und führte die Liste der teuersten Werke jahrelang auch an. Er selbst sagte über dieses Ölgemälde, er habe „dieses Werk zu einem Meisterwerk gemacht“. Es ist ein zudem ein Beispiel dafür, wie bedeutend der Einfluss des Zufalls am Gelingen eines großartigen Bildes sein kann. So hatte Picasso schon längere Zeit daran gearbeitet. Eines Abends kam er in sein Atelier:

„[...] and dramatically transformed in a moment of sudden empiration.”

Sotheby’s Katalog

picasso garcon a la pipe 630 Künstler?! Teuerste Werke (III)

Pablo Picasso „Junge mit Pfeife“, 1905, Öl auf Leinwand, 100 x 81.3 cm; Privatbesitz.

Vor einem mit Blumen geschmückten rosabraunen Hintergrund sitzt ein in Blau gekleideter junger Mann, der den Betrachter nachdenklich und skeptisch anblickt und eine Pfeife in der Hand hält. Die beiden Gesichtshälften drücken unterschiedliche Stimmungen aus. Während die linke Hälfte, die perspektivisch auch größer wirkt, aufmerksam schaut, wirkt die hintere, rechte Hälfte melancholisch und verhärtet.

Der „Junge mit Pfeife“ steht im Gegensatz zu Picassos „Dora Maar“: dieses Bild war bis zu seiner spektakulären Versteigerung der Öffentlichkeit kaum bekannt. Der Junge mit Pfeife hingegen war allein in den 1950er Jahren fünfmal in den USA zu sehen, davon allein dreimal im Museum of Modern Art (New York).

picasso dora maar teuerste werke Künstler?! Teuerste Werke (III)

Versteigerung bei Sotheby’s New York im Jahr 2006 – „Dora Maar au chat“, 1941, Öl auf Leinwand, 130 x 97 cm; Foto: Timothy A. Clary / AFP / Getty Images.

Das Ölbildnis, das Picassos Geliebte von Mitte der 1930er bis Anfang der 1940er Jahre, Dora Maar, darstellt, zeigt die Muse, die einer Heiligen gleich aufrecht auf einem Stuhl vor einem hellen Hintergrund, eine Katze auf der Lehne, sitzt. Sie präsentiert sich in kräftigen Farben, einem Hut und lackierten Fingernägeln. Dieses für Picasso typische Porträt zeigt Frau Maar gleichzeitig im Profil als in der Frontansicht, mit einem Lächeln im Gesicht. Das Bild hatte in seiner 70jährigen Geschichte nur drei Besitzer, einer davon der legendäre Berliner Kunstsammler Berggruen und wurde in dieser Zeit nur dreimal öffentlich gezeigt, zuletzt 1968 am Arts Institute of Chicago.

Mit großen Schritten auf Platz zwei:
Alberto Giacomettis “L’homme qui marche I”

Dieses Meisterstück Giacomettis, eine 1,83 m hohe Plastik in sechs Bronzegüssen und vier Künstlerexemplaren aus dem Jahr 1960, zeigt einen hageren, leicht nach vorn gebeugten, „schreitenden Mann“ mit überlangen Gliedmaßen und war ihrem neuen Besitzer im Februar 2010 104,3 Mio. US-Dollar wert. Eine der Ikonen moderner Kunst ist seit 1998 auf dem Schweizer 100-Franken-Schein abgebildet.

joan miro teuerste kunstwerk Künstler?! Teuerste Werke (III)
“Der Mörder der Kunst: Joan Miró”
Detail aus einem Selbstbildnis von
Joan Miró, 1919
Autorin: Inga Ganzer

Nach einer surrealistischen Phase seit dem Ende der 1920er Jahre im Kreise von Louis Aragon, Jean Cocteau, Max Ernst oder Joan Miró hatte Giacometti (1901-1966) schon seit Mitte der 1930er Jahre mit der Modellierung von kleinen Plastiken begonnen und fasste damit vor allem Freunde und Bekannte in eine Figur. Aus diesen Miniaturen entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg erste Skizzen von Figuren mit überlangen Extremitäten. Die Bronzeplastik hat trotz ihres schmalen Körperbaus etwas Entschlossenes, was auch durch den nach vorn gebeugten Körper betont wird. Die herabhängenden Arme verweisen allerdings auf eine eher abwartende Position. Die Autorin, Kuratorin und Giacometti-Exptertin Valerie J. Fletcher formulierte es so: „Walking Man I stands as a symbol of humanity always striving, ever seeking“.

Das teuerste Gemälde der Welt:
Nackte, grüne Blätter und Büste

Dieses Ölgemälde mit dem Originaltitel „Desnudo, hojas verdes y busto“ (eng.: Nude, Green Leaves and Bust) stammt aus dem Jahr 1932 und somit aus einer Periode, in der Picasso (nach der etwa eine Dekade bis 1919 dauernden kubistischen Phase) sich von Klassizismus und Surrealismus beeinflussen ließ. Seine bevorzugten Motive aus dieser Zeit sind Künstler & Modell sowie der Minotaurus bzw. Stier, der für Wolllust und Rücksichtslosigkeit steht und auch im wichtigsten Bild dieser Phase „Guernica“ (1937) eine wesentliche Rolle spielt. Blau- und Grüntöne domineren das Bild. Eine Frau, Picassos Geliebte Marie-Thérèse Walter, liegt am unteren Rand des Bildes auf dem Rücken neben einer Schale mit Äpfeln und reckt sich wollüstig vor einem blauen Vorhang. Rechts über ihr steht eine ihr ähnlich sehende Büste auf einem antiken Sockel, links über ihr ranken sich die grünen Blätter einer Pflanze. Warum es diesen Wert hat, vermag man nicht sagen. Vielleicht spielt eine Rolle, dass das Bild in das „annus mirabilis“ (1931-32) fällt, dem kreativsten Jahr des Künstlers, wie sein Biograph John Richardson schreibt.

Pablo Picasso: Gott unter Schöpfern

Dieser Künstler hat mit seiner epochemachenden thematischen wie auch technischen Breite, mit seiner explosionsartigen Ausdruckskraft einen nicht mehr zu fassenden Einfluss auf einen Großteil der ihm Nachgeborenen gehabt.

In einem Lexikon hat der Picasso-Experte Professor Johannes M. Fox die unglaublichen Details und Facetten der Personifizierung der Modernen Kunst zusammengetragen. Demnach hat Picasso etwa 37.000 Werke geschaffen und jedem einzelnen Tag seines Lebens mehr als ein Werk entgegengestellt („Nackte, grüne Blätter und Büste“ ist nach dieser Kalkulation in weniger als 24 Stunden entstanden; bei einem Preis von 106 Millionen US-Dollar liegt der Sekundenlohn Picassos bei etwa 1.200 USD). Zum umfassenden Werk des Spaniers gehören:

  • Ölbilder,
  • Grafiken,
  • Skulpturen,
  • Keramiken,
  • Bühnenbilder,
  • Gedichte,
  • Fotografien und vieles mehr.

Picasso ist DAS Sinnbild für Kreativität, Ausdruckskraft, Mannigfaltigkeit, Lebensfreude und ein Beispiel dafür, wie sehr eine außergewöhnliche, vor Kraft trotzende, aber auch charakterlich unlenksame Persönlichkeit die Chora einer Schöpferkraft ist, wie sie ihresgleichen sucht und vermutlich immer suchen wird.

Picasso und der Wunsch, zu masturbieren

Die beiden zuletzt im Jahr 2010 versteigerten Werke sind auch die teuersten. Solange die Reichen immer reicher werden und über riesige finanzielle Ressourcen verfügen, sich auch die Neumilliardäre aus Russland, Indien und China immer mehr für Kunst, entweder als Anlage- oder Prestigeobjekt, interessieren, werden die Preise für die Klassiker der Moderne in der Zukunft weiter steigen.

Über den Wert der Kunst sagt das nicht viel aus. Die Soziologen Jörg Rössel und Jens Beckert haben in einer Studie über den Zusammenhang von Kunst und Preisen 2004 festgestellt, dass „kunstinterne Bewertungen und Aktivitäten … die Reputation und die öffentliche Wahrnehmung eines Künstlers ermöglichen und konstruieren“ und eben dieses Image für die Preisbestimmung von immanenter Bedeutung ist.

Der Londoner Blogger Tom Flynn drückt es etwas weniger wissenschaftlich aus:

„The very name Picasso is enough to have art investment fund managers and hedge fund billionaires masturbating into their spreadsheets.”

Aus träumerischer Farbgebung, eindrucksvoller Ikonographie, aus ergreifender Transzendenz und genialem Subtext werden Zyklen, Indizes, Dividenden und Blue Chips.

Post Scriptum

Berechnet man den Wert pro cm2 der Werke, erhält man (Giacometti ausgeschlossen), beginnend mit dem letzten Platz: Bacon, Rubens, Klimt, Monet, Picasso (Nackte), Picasso (Maar), Degas, Picasso (Garcon) und als den großen Gewinner Vincent van Gogh mit seinem Bild, von dem man nicht weiß, ob es überhaupt noch existiert, weil der 1996 verstorbene letzte Besitzer folgenden Wunsch hatte:

„Legt das Bild in meinen Sarg, wenn ich sterbe [...]“

Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.

Literatur:

Bei soviel Gier darauf, Kunst “zu besitzen” verschlägt’s mir erstmal die Sprache. Anregungen, Fragen und Kritik beantworten wir wie immer gern hier – danke Euch.

Eins von 12 ARTlectric-Paketen gewinnen? Via Twitter RT oder mailen.

WE RECOMMEND:

Künstler?! Fünf Thesen (I)
Die Frage „Was ist Kunst?“ hat sich schon Platon gestellt und bislang hat noch niemand eine einfache und damit befriedigende Erklärung gefunden. Zu komplex ist dieses Phänomen. Diese Serie wird auch keine Auskunft darüber geben, vermutlich, weil es keine Antwort gibt. Die Beurteilung der Qualität von Kunstwerken ist eine höchst subjektive [...] Read more – ‘Künstler?! Fünf Thesen (I)’
ARTlectric
Ob Malerei, Fotografie, Installation, Video oder Netz – Kunst hat viele Gesichter. GEFFKEN MIYAMOTO bietet reichlich Platz für die innovativsten jungen Künstler des Jahres 2011. Wir verlosen 12x je ein ARTlectric-Promotionpaket. Um teilzunehmen folge uns auf twitter.com/geffkenmiyamoto und RT das Gewinnspiel oder schreibe uns eine Mail mit Deiner Adresse an ARTlectric@geffkenmiyamoto.com. [...] Read more – ‘ARTlectric’
Künstler?! Die wichtigsten der Gegenwart (II)
Im ersten Teil dieser Serie wurden die mit künstlerischer Schöpfung verknüpften Eigenschaften Abweichung, Stilgefühl, Integrität, die Bedeutung des Handwerks sowie Konzentration vorgestellt, die sich aus der Lektüre von Zitaten von Dichtern, Philosophen und Künstlern über ihre Profession ergeben haben. In diesem zweiten Teil, der im Rahmen unserer ARTlectric-Ausschreibung gestellten Frage “Was [...] Read more – ‘Künstler?! Die wichtigsten der Gegenwart (II)’

One comment on ‘Künstler?! Teuerste Werke (III)’

  1. […] Kunst hat sich zu einem der finanziell vielversprechendsten kulturellen Subsysteme entwickelt. Kunst ist Kommerz und oberstes Distinktionsobjekt. Doch entspricht dies ihrem Wesen? Ein Plädoyer für den Erhalt […]

Leave a Reply