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Möbelkunstwerke: Vermittler von Tradition und Moderne

by Thomas Schmidt. Average Reading Time: about 3 minutes.

Was macht Kunst zur Kunst? Ein Kunstwerk ist ein Ensemble vielschichtiger Faktoren wie die professionelle Handhabung eines Handwerks oder Kreativität. Das wichtigste Element stellt allerdings die Leidenschaft des Künstlers dar. Egal, ob es sich um Objekt, Mode, Literatur oder Architektur handelt. Das oft nicht zu beschreibende und uns faszinierende Wesen eines von Menschenhand geschaffenen Objekts erwächst aus dem Grad der Hingabe und der Authentizität des Schaffenden.

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„Angled 50s – Myrtangolo“, Tablarmöbel 2013, Myrtenholz;

Atelier Niroque

Designer Ringo Bigalk gestaltet in seinem Atelier Niroque Möbelkunstwerke, die Vergangenheit und Zukunft verschmelzen. Betagte Möbel aus den Dreißiger bis Sechziger Jahren werden mit Kunstgriffen auf eine neue künstlerische Ebene gehoben und in zeitgenössischen Kontext gesetzt. Mit dieser Neuformulierung entsteht Objektmobiliar, das wie ein Bild oder Gemälde den Geist und die Schönheit vergangener Epochen in sich trägt. Dieses Konzept ist eine Antwort auf die Problematik im Umgang mit vererbten Familieninterieurs, das unaufhaltsam aus unseren Wohnzimmern (der guten Stube) verschwindet, weil es trotz emotionaler Bindung nicht mehr in den modernen Wohnkontext integriert werden kann.

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Ringo Bigalk „Recircled 50s“, Möbelobjekt 2013, Myrtenholz; Foto: Ringo Bigalk

In der Transformation liegt das Bindeglied von Traditionsbewusstsein und der Verankerung familiären Erbes. Jedem wird ein besonderes Möbelstück aus seiner Kindheit in Erinnerung geblieben sein: Die mächtige Standuhr in Opas Arbeitszimmer, der gemütliche Ohrensessel im Wohnzimmer, die Bleiglas verzierte Vitrinenschrankwand der Eltern oder der gigantische Kleiderschrank im Schlafzimmer der Großeltern. Einst Stolz und etablierte Präsenz des Familienheims, fristen sie heute meist nur noch als Schatten ihrer selbst in stillschweigender Duldung eine gefährdete Existenz im Keller. Hier setzt Studio Niroque an … 

Identität als Kernelement exklusiver Möbelbaukunst im Geist vergangener Zeiten

Die alten Möbelstücke werden mit neuen Materialien und Ideen kunstvoll umgestaltet. Der Charakter sowie die eigentliche Identität des Möbelstücks werden samt ihrer Erinnerungen, Geschichten und emotionalen Bindungen jedoch bewahrt.

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Das eigene Erbstück neu gestalten lassen:
Beispiel „Myrtangolo“
Abmessungen
92 x 12 x 24 cm
Gesamtpreis € 650,00
(inkl. MwSt. zzgl. Versand)

Identität und daraus erwachsene Individualität sind die neuen Distinktionsformen, mit denen wir uns abzuheben suchen. Hieraus erklärt sich der Hype um den Begriff Vintage, vor allem im Bereich von Interieur und Mode, weil er zum Heilsversprechen für die Abgrenzung zum Mainstream wurde.

Vintage verkommt zum Identitätsersatz. Identität bedeutet die Verbindung aus Tradition und Zukunftsdenken. Identität ist Identifikation. Nur, wer sich seiner Wurzeln bewusst ist und sie mit einem gewissen Stolz als wesentlichen Teil seines Charakters anerkennt, verfügt über Identität (in beiden Bedeutungen!). Möbel vom Antiquitätenhändler werden niemals die Geschichte eigener Vergangenheit erzählen. So einzigartig und erlesen sie sein mögen, so filigran sie sich ins Ensemble eines Interieurs einfügen mögen – sie bleiben Vintage. Sie besitzen weder den erzählerischen Aspekt einer Familiengeschichte noch die persönliche Aura als Träger von Erinnerungen.

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Ringo Bigalk „Smoker’s Delight“, Möbelobjekt 2013, Ahorn- und Sapeli-Holz; Foto: Ringo Bigalk

Ein Beispiel im Werk von Ringo Bigalk ist „Myrtangolo“ (s.o.), das als abstraktes Kunstobjekt, Möbelkonsole und ebenso als Träger einer vertrauten Erzählung zu verstehen ist. Diese Transformation verdeutlicht den möglichen Umgang mit Erinnerung, neuer Funktion und dem Erhalt des charakteristischen Charmes. Das Möbelobjekt wird zum Zitat.

Neben den kunstvoll revitalisierten Möbelstücken begeistert der Designer mit einer Reihe von Objekten, die zwischen Architektur, Schreinerei und Kunst changieren und den Geist alter Versatzstücke neu beleben. Die meist zu gleichen Teilen funktional und künstlerisch erdachten Objekte tragen die Leidenschaft eines Künstlers ebenso mit sich wie den Perfektionsanspruch eines Architekten und Ingenieurs.

Autorin: Inga Ganzer Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.

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