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Besitz besitzt! – Aktion von PS1 REFRESH

by Oliver Geffken. Average Reading Time: about 4 minutes.

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PS1 REFRESH hat in dieser Woche Stempel mit dem Aufdruck „BESITZ besitzt!“ produziert, zufällig an Passanten in Berlin verteilt und diese aufgefordert, Geldscheine damit zu bedrucken, denn:

BESITZ besitzt!

Geldscheine sind ein öffentliches Medium, das im öffentlichen Raum mehr oder weniger bewusst durch seine Besitzer verteilt wird. Geld ist ein ganz normaler Alltagsgegenstand, dem unter gewissen Umständen nur ein begrenztes Maß an Aufmerksamkeit zuteil wird. Es mag sein, das für Geld vieles zu haben ist; Ästhetik und Moral sind jedoch sicher nicht käuflich zu erwerben.

Kein anderes „Ding“ in unserem Leben manipuliert uns in unseren Zielen, Absichten und Träumen so stark wie das Geld. Unsere Wahrnehmung ist durch und durch getrübt von der manipulativen Kraft des Geldes. Je eher wir erkennen, dass unsere Wahrnehmung lenkbar ist, desto kritischer können wir auf unsere Umgebung blicken.

Unsere Kulturproduktion PS1 REFRESH hat in dieser Woche Stempel mit dem Aufdruck „BESITZ besitzt!“ zufällig an Passanten verteilt und dazu aufgefordert, Geldscheine damit zu bedrucken – um all jene, die in Zukunft diese Banknoten in Händen halten, für einen Moment zum Nachdenken über Fragen anzuregen:

  1. Was ist Besitz?
  2. Was besitze ich?
  3. Was möchte ich besitzen?
  4. Warum möchte ich es besitzen?
  5. Besitzt mich mein Besitz?

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Menschliches, Allzumenschliches

Nur wenige Jahre nach der Veröffentlichung des Kapitals (1867) von Karl Marx kritisiert Nietzsche den Kapitalismus in Form des Besitzes. Der Begriff des Besitzes wird juristisch als die „tatsächliche Herrschaft einer Person über eine Sache“ definiert. In der historischen Definition beschreibt Besitz all jene Dinge, über die man verfügt, also eine Verfügungsgewalt hat.

Der Besitz besitzt. – Nur bis zu einem gewissen Grade macht der Besitz den Menschen unabhängig, freier; eine Stufe weiter – und der Besitz wird zum Herrn, der Besitzer zum Sklaven: als welcher ihm seine Zeit, sein Nachdenken zum Opfer bringen muss und sich fürderhin zu einem Verkehr verpflichtet, an einen Ort angenagelt, einem Staate einverleibt fühlt – alles vielleicht wider sein innerlichstes und wesentlichstes Bedürfnis.

Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches II. Ein Buch für freie Geister, 1879, Absatz 317

Die Abstrakta Herrschaft und Gewalt zeigen die negative Konnotation des Begriffes Besitz an. Wie Nietzsche darstellt, macht Besitz in einem gesunden Maße unabhängig und frei, zu viel Besitz allerdings macht den Menschen zum Sklaven:

  1. Besitz braucht Zeit in der Pflege und im Nachdenken darüber,
  2. Besitz macht immobil und kostet oftmals in Form von Versicherungen noch mehr Geld.

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Und so manchen mag Besitz vielleicht zermürben, weil er eine diffuse Angst entwickelt, seinen Besitz zu verlieren. Er grenzt sich gegen vermeintliche Diebe ab, wird misstrauisch, aber auch gierig, arrogant, oberflächlich und selbstverliebt. Besitz täuscht einen Wert vor, Besitz tötet Geist, der durch Besitz ausgefüllt wird.

Brüder, zur Sonne, zur Freiheit

Wer sich je von seinem Besitz trennen musste, sein Hab und Gut vielleicht verschenkt und andere damit glücklich gemacht hat; wer schon mal mit dem Rucksack und nur dem Notwendigsten am Leib durch ein fernes Land gewandert ist und trotzdem zufrieden und glücklich war; wer sich vielleicht auch auf einer Tanzfläche frei bewegen und sich in andere Sphären tanzen konnte ohne lästigen Ballast bei sich zuhaben; wer im Sommer nur mit einer leichten Hose und T-Shirt bekleidet am Strand entlang gegangen ist oder ohne Geldbörse und Schlüssel aus dem Haus gehen konnte – der weiß, dass ein Gefühl von geistiger oder emotionaler Freiheit immer auch mit einer dinglichen Freiheit verknüpft ist.

Fragen, die wir uns also von Zeit zu Zeit selbst stellen sollten, können an dieser Stelle lauten:

  1. Was ist mir wichtiger: Freiheit oder Bindung?
  2. Auf was kann ich verzichten?
  3. Was brauche ich wirklich zum Leben?

Politische Kunst – kurze Bestandsaufnahme

Man könnte vermuten, dass in Zeiten einer bei weitem noch nicht überwundenen, weltumspannenden Finanz- und Wirtschaftskrise sowie einer Vielzahl drängender (gesellschafts-)politischer Themen die politische Kunst eine neue Konjunktur erfährt, so wie das in den späten 20er & frühen 30er Jahren nach der „Großen Depression“ oder zum Ende der 60er Jahre der Fall gewesen ist, doch eine nähere Auseinandersetzung mit diesem Thema führt größtenteils in die (linke) Vergangenheit.

So wurde z.B. in den 20er Jahren eine alternative Kunst in Anlehnung an linke Parteien und Institutionen aufgebaut, in der eine Veränderung der Beziehung zwischen linker und bourgeoiser Kunst im Mittelpunkt stand, ein neues Kultursystem, das als radikal bezeichnet werden kann. Im Zuge der Konflikte und Krisen der 60er & 70er Jahre stand die Antithese im Vordergrund, die sich irgendwo in der Grauzone zwischen kritischer, kapitalismusfeindlicher Kunst sowie politischem Desinteresse manifestierte.

Die politische Kunst hat also im Jahre 2010 eine turbulente Vergangenheit hinter sich und steht somit in einer berühmt-berüchtigten Tradition, auf deren Radikalität sie sich auch berufen sollte. Andererseits bietet der Rückgang mit der Beschäftigung dieser Gattung seit den 70er Jahren eine neue Ausgangsbasis, eine neue Kultur der künstlerischen Auseinandersetzung mit politischen Themen, an denen es nicht mangelt, zu schaffen: um mit konstruktiver Kritik Mut zu machen, Alternativen zu entwerfen und mit künstlerischen Beiträgen das komplexe Verwirrspiel von Wirtschaft, Medien & Politik aufzulösen und vereinfacht darzustellen!

Mehr zu dieser Aktion wird hier in den nächsten Wochen zu lesen sein. Und für den Fall der Fälle: man kann uns auch auf Twitter folgen.

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